Haare als Gefahrstoff?

In diesem abschließenden Vortragsteil soll der obengestellten Frage nachgegangen werden. Die Frage als solche ist nicht so absurd, wie man vermuten könnte. Haare besitzen die unerfreuliche Eigenschaft, Stoffe aus der Luft aufzunehmen und anzureichern. Bei Aufnahme von Giftstoffen (z. B. Schwermetallionen) können diese so leicht über einen längeren Zeitraum auf den Organismus einwirken. Die Haare können beispielsweise Blei-Ionen aus der Luft (enthalten unter anderem in Abgasen) über die Kopfhaut aufnehmen und im lebenden Teil einlagern. Typische Symptome von Vergiftung durch Blei sind Schlafstörungen, Nervenschädigungen, Störung der Enzymtätigkeit sowie Veränderungen des Blutbildes.

Da Haare besonders leicht Stoffe aus der Luft einlagern, kann über den Gehalt an Schwermetallionen im Haar eine Aussage über die Luftqualität getroffen werden.

Versuch 5 - Bleibestimmung im Haar

Im Versuch soll der Gehalt an Blei im Menschenhaar quantitativ bestimmt werden. Dazu wurden Haarproben aus einer ländlichen Gegend und aus einer vielbefahrenen Durchgangsstraße untersucht. Der Erwartung nach sollte der Gehalt an Blei in den Haarproben aus dem ländlichen Bereich signifikant geringer sein.

Zur Untersuchung der Haarproben werden diese verascht und aufgeschlossen. Die daraus entstehenden wässrigen Lösungen werden zunächst mit KCN Lösung (zur Maskierung der eventuell anderen enthaltenen Schwermetallionen) und dann mit Natriumsulfidlösung versetzt. Die Bleiionen reagieren in einer Fällungsreaktion zu Bleisulfid, welches bei den zu erwartenden geringen Mengen an Blei kolloidal in Lösung bleibt.

Die daraus resultierende Trübung kann bei einer Wellenlänge von 525 nm photometrisch untersucht werden. Die Menge an Blei wird mittels einer Kalibriergerade erhalten. Der Versuch ist wieder im Anhang näher beschrieben.

Aus den Extinktionen kann nun der Gehalt an Blei in ppm berechnet werden:

 Der Faktor resultiert aus der Einwaage an Blei (je 24 g), da die Menge an Blei pro g Haar gewünscht ist. Aus der obengenannten Formel wurden im Vortrag folgende Werte erhalten:

Ergebnis

Extinktion

Menge Blei (ppm)

Probe Land

0,026

6,25

Probe Durchgangsstraße

0,053

12,5

Man erkennt bei Betrachtung der Ergebnisse einen klaren Unterschied im Bleigehalt. Vergleicht man diese mit den unten aufgeführten Werten aus der Literaturstelle von 1973, so kann man schließen, dass mittlerweile durch den Einsatz von bleifreiem Benzin der Bleigehalt in der Luft dramatisch gesenkt wurde.

 

Person

Wohngebiet

Verkehr

Blei (ppm)

1

Hauptstraße

Hoch

25

2

Innenstadt

Hoch

18

3

Durchgangsstraße

Hoch

18

4

Wohngebiet

Mittel

14

5

Wohngebiet

Mittel

12

6

Stadtrand

Gering

10

7

Stadtrand

Gering

12

 Abschließend kann man mit gutem Gewissen die zu Beginn gestellte Frage deutlich verneinen, zumal die nachgewiesenen Mengen an Blei deutlich unter den gefährlichen Dosen liegen.